Warum das Rohbaumaß eine eigene Betrachtung verdient

Bevor eine neue Haustür bestellt werden kann, brauchen Sie ein verlässliches Maß der Wandöffnung. Dieses Maß wird häufig als Rohbaumaß bezeichnet, doch der Begriff allein sagt noch wenig darüber aus, ob die Öffnung tatsächlich im Rohbauzustand vorliegt oder bereits verputzt, gedämmt und mit einem fertigen Bodenaufbau versehen ist. Genau diese Unterscheidung bestimmt, welche Zahlen Sie notieren, wie Sie sie interpretieren und ob ein Fachbetrieb daraus ein verbindliches Aufmaß ableiten kann.

Ein sorgfältiges Vorabmaß, das Sie selbst erheben, ersetzt kein verantwortetes Fachaufmaß. Es bereitet dieses aber so vor, dass der Termin vor Ort zügig und zielgerichtet ablaufen kann. Der folgende Leitfaden zeigt Ihnen, welche Größen Sie erfassen, worauf Sie bei der Dokumentation achten und an welchen Stellen Sie die Bewertung an eine Fachplanung übergeben.

Rohbauöffnung und fertige Öffnung auseinanderhalten

Der erste Schritt beim Messen besteht darin, den Zustand der Wandöffnung richtig einzuordnen. Eine Rohbauöffnung zeigt das blanke Mauerwerk oder den unbekleideten Beton. Putzschichten, Wärmedämmung, Leibungsverkleidungen und der endgültige Bodenbelag fehlen noch. Die lichte Weite und Höhe dieser Öffnung sind größer als die spätere fertige Öffnung, weil die noch ausstehenden Schichten den verfügbaren Raum verkleinern.

Bei einer fertigen Öffnung sind Putz, Dämmung und Bodenaufbau bereits vorhanden. Hier messen Sie die tatsächlich sichtbare lichte Weite. Beide Zustände liefern brauchbare Ausgangswerte, doch sie dürfen auf keinen Fall verwechselt oder vermischt werden. Notieren Sie deshalb bei jeder Messung, ob Sie auf Rohmauerwerk, auf Putz oder auf eine Kombination aus beidem blicken.

Falls an einer Seite der Leibung bereits Putz aufgetragen ist und an der anderen noch nicht, halten Sie diesen Mischzustand ausdrücklich fest. Ein Fachbetrieb kann daraus die voraussichtliche fertige Öffnung ableiten, sofern die geplante Putzstärke bekannt ist. Diese Information erhalten Sie aus der Ausführungsplanung oder vom ausführenden Stuckateurbetrieb.

Die Breite an drei Stellen messen

Messen Sie die Breite der Öffnung an drei Positionen: oben, in der Mitte und unten. Verwenden Sie einen Zollstock oder ein Lasermessgerät und setzen Sie jeweils an der Innenkante der Leibung an. Tragen Sie alle drei Werte in Millimetern ein. Weichen die Werte voneinander ab, ist das ein Hinweis auf eine nicht lotrechte Leibung oder auf ungleichmäßigen Putzauftrag.

Für eine vertiefte Betrachtung der Unterscheidung zwischen lichter Öffnung und Elementmaß lesen Sie den Beitrag Haustür-Breite: Lichte Öffnung und Elementmaß unterscheiden.

Geben Sie bei Ihrer Dokumentation den kleinsten gemessenen Wert gesondert an, denn dieser bestimmt den maximal verfügbaren Raum für das Türelement einschließlich Blendrahmen und Anschlussfuge.

Die Höhe korrekt erfassen

Auch die Höhe messen Sie an drei Stellen: links, in der Mitte und rechts. Der untere Messpunkt hängt davon ab, ob der endgültige Bodenbelag bereits eingebaut ist. Steht die Messung auf der Rohdecke, müssen Sie den geplanten Bodenaufbau kennen, um die fertige lichte Höhe abzuleiten.

Notieren Sie, worauf Sie den Zollstock aufsetzen: Rohdecke, Estrich, Fliese oder ein anderer Belag. Ohne diese Angabe kann ein Fachbetrieb die Höhenmessung nicht sicher verwerten.

Lot und Waage prüfen

Eine Wasserwaage mit mindestens einem Meter Länge zeigt Ihnen, ob die Leibungen lotrecht und der Sturz waagerecht verlaufen. Setzen Sie die Wasserwaage an beiden Leibungsseiten senkrecht an und dokumentieren Sie die Abweichung. Am Sturz prüfen Sie die Waagerechte.

Geringe Abweichungen lassen sich über die Anschlussfuge und die Befestigung des Blendrahmens ausgleichen. Wie groß der Ausgleich sein darf, hängt vom gewählten Türsystem und von der Einbauanleitung des Herstellers ab. Halten Sie die gemessene Abweichung in Millimetern fest, damit der Fachbetrieb die Machbarkeit beurteilen kann.

Die Leibung beschreiben

Die Leibung ist die seitliche Innenfläche der Wandöffnung. Ihre Tiefe entspricht der Wandstärke an dieser Stelle. Messen Sie die Leibungstiefe oben, in der Mitte und unten auf beiden Seiten. Unterschiedliche Tiefen deuten auf einen keilförmigen Wandverlauf oder auf nachträglich aufgebrachte Dämmschichten hin.

Material und Oberfläche der Leibung

Halten Sie fest, aus welchem Material die Leibung besteht, soweit Sie das erkennen können: Ziegel, Kalksandstein, Beton, Porenbeton oder eine Holzständerkonstruktion. Falls eine Dämmschicht sichtbar ist, notieren Sie deren ungefähre Stärke. Diese Angaben beeinflussen die Wahl der Befestigungsmittel und die Ausbildung der Anschlussfuge. Die konkrete Befestigungstechnik legt der Fachbetrieb anhand der Produktunterlage und des vorgefundenen Untergrunds fest.

Den Bodenaufbau klären

Der Bodenaufbau bestimmt, wo die Unterkante des Türrahmens zu liegen kommt und wie die Schwelle ausgebildet wird. Wenn Sie auf der Rohdecke messen, benötigen Sie die geplante Aufbauhöhe. Diese setzt sich aus mehreren Schichten zusammen, deren Art und Stärke von der Ausführungsplanung abhängen.

Fragen Sie bei Ihrem Bauvorhaben gezielt nach der Oberkante des fertigen Fußbodens, angegeben als Höhenkote bezogen auf ein definiertes Bezugsniveau. Falls der Bodenaufbau bereits fertiggestellt ist, messen Sie die Höhe direkt ab Oberkante Belag bis Unterkante Sturz.

Bei einem Altbau kann es vorkommen, dass der vorhandene Bodenbelag erhalten bleiben soll, während der Estrich darunter Unebenheiten aufweist. Prüfen Sie in diesem Fall mit der Wasserwaage, ob der Boden im Bereich der Türöffnung eben verläuft, und notieren Sie etwaige Höhenunterschiede.

Die Anschlussfuge verstehen

Zwischen dem Türelement und der Wandöffnung verbleibt umlaufend ein Spalt. Dieser Spalt wird als Anschlussfuge bezeichnet. Die Fuge dient dem Toleranzausgleich und wird nach dem Einbau abgedichtet, um Anforderungen an Wärmeschutz, Schlagregendichtheit und Luftdurchlässigkeit zu erfüllen.

Die Breite der Anschlussfuge ergibt sich rechnerisch aus der Differenz zwischen der fertigen Öffnung und dem Außenmaß des Türelements. Welche Fugenbreite zulässig und sinnvoll ist, bestimmt die Einbauanleitung des jeweiligen Türsystems. Ihr Vorabmaß liefert die Grundlage für diese Berechnung, die der Fachbetrieb im Rahmen des verantworteten Aufmaßes vornimmt.

Vorabmaß und verantwortetes Fachaufmaß trennen

Ihr Vorabmaß ist eine Orientierungsgröße. Es hilft Ihnen, Angebote einzuholen und die grundsätzliche Machbarkeit einzuschätzen. Das verantwortete Fachaufmaß hingegen übernimmt ein Fachbetrieb, der die Maße vor Ort prüft, den Untergrund beurteilt und die Einbaubarkeit des gewählten Türsystems bestätigt. Erst dieses Aufmaß bildet die vertragliche Grundlage für Fertigung und Einbau.

Stellen Sie dem Fachbetrieb Ihre dokumentierten Vorabmaße einschließlich aller Zusatzinformationen zur Verfügung. Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto effizienter verläuft der Aufmaßtermin. Der Fachbetrieb wird Ihre Werte mit eigenen Messungen abgleichen und gegebenenfalls ergänzen.

Dokumentation strukturiert anlegen

Eine brauchbare Dokumentation enthält folgende Angaben:

  • Datum der Messung
  • Zustand der Öffnung (Rohbau, teilweise verputzt, fertig)
  • Drei Breitenmaße mit Angabe der Messposition
  • Drei Höhenmaße mit Angabe des unteren Bezugspunkts
  • Leibungstiefe auf beiden Seiten, jeweils an drei Positionen
  • Lotabweichung der Leibungen in Millimetern
  • Waagerechte Abweichung am Sturz in Millimetern
  • Material der Leibung, soweit erkennbar
  • Bodenaufbau: vorhandener Belag oder geplante Aufbauhöhe
  • Fotos der Öffnung von innen und außen, möglichst mit sichtbarem Maßstab

Ergänzen Sie die Dokumentation um eine einfache Skizze, in der Sie die Messpunkte einzeichnen. Diese Skizze muss kein technischer Plan sein, sondern lediglich zeigen, wo Sie gemessen haben.

Schnittstellen zu angrenzenden Gewerken beachten

Die Haustür steht in Wechselwirkung mit dem umgebenden Baukörper. Putzarbeiten, Wärmedämmverbundsysteme, Bodenbeläge und gegebenenfalls Vordachkonstruktionen beeinflussen die Einbausituation. Klären Sie vor dem Aufmaßtermin, welche Arbeiten an der Wandöffnung noch ausstehen und welche bereits abgeschlossen sind.

Falls ein Wärmedämmverbundsystem geplant oder vorhanden ist, wirkt sich dessen Stärke auf die Position des Türelements in der Wandebene aus. Die Festlegung dieser Position gehört zur objektbezogenen Planung und berücksichtigt Aspekte wie Wärmebrückenminimierung und Schlagregenschutz. Ihr Vorabmaß kann die Dämmstärke erfassen, die planerische Bewertung obliegt jedoch der Fachplanung.

Wenn Sie eine neue Haustür im Zusammenhang mit weiteren Anpassungen planen, finden Sie weiterführende Hinweise zu Proportionen und Ausstattung im Beitrag Haustür nach Maß: Öffnung, Proportionen und Ausstattung planen.

Normen und energetische Anforderungen einordnen

DIN EN 14351-1 beschreibt materialunabhängige Leistungseigenschaften von Fenstern und Außentüren. DIN 18055 unterstützt die objektbezogene Auswahl von Anforderungen. Beide Normen liefern den Rahmen, innerhalb dessen ein Türelement spezifiziert wird. Die konkreten Anforderungen an Ihr Bauvorhaben ergeben sich aus der Anwendung dieser Normen auf die örtlichen Gegebenheiten, etwa Windlastzone, Schlagregenbeanspruchungsgruppe und Gebäudehöhe.

Anlage 7 des geltenden Gebäudeenergierechts nennt für den dort geregelten Ersatz von Außentüren einen Höchstwert des Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,8 W/(m²·K). Ob dieser Wert auf Ihr Vorhaben anwendbar ist, hängt vom Umfang der Maßnahme und vom Gebäudetyp ab. Prüfen Sie dies anhand der aktuellen Fassung des Gebäudeenergiegesetzes oder lassen Sie es durch eine Fachplanung klären.

Falls Sie eine Förderung in Betracht ziehen, sind die Bedingungen und die notwendige Reihenfolge der Antragstellung vor einer Beauftragung direkt bei BAFA oder KfW aktuell zu prüfen. Weiterführende Quellenhinweise finden Sie auf unserer Seite Quellen.

Einbruchhemmung als Planungsgröße berücksichtigen

DIN EN 1627 betrifft die Klassifizierung einbruchhemmender Eigenschaften von Türen. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt bei Neu- und Umbauten geprüfte einbruchhemmende Türen ab RC 2. Ob und in welcher Widerstandsklasse Sie eine einbruchhemmende Tür einsetzen, ist eine individuelle Entscheidung, die von Ihrem Sicherheitsbedürfnis und den örtlichen Gegebenheiten abhängt.

Für das Rohbaumaß ist dieser Aspekt insofern relevant, als einbruchhemmende Türelemente besondere Anforderungen an die Befestigung im Baukörper stellen können. Die Leibungstiefe, das Wandmaterial und die Tragfähigkeit des Untergrunds fließen in die Beurteilung ein. Dokumentieren Sie diese Merkmale in Ihrem Vorabmaß, damit der Fachbetrieb die Eignung der Wandöffnung frühzeitig einschätzen kann.

Das Vorabmaß übergeben

Fassen Sie Ihre Dokumentation in einer übersichtlichen Form zusammen und stellen Sie sie dem Fachbetrieb vor dem Aufmaßtermin zur Verfügung. Benennen Sie offene Punkte klar: Ist der Bodenaufbau noch ungeklärt? Steht die Putzstärke noch nicht fest? Gibt es Hinweise auf Feuchtigkeit oder Risse im Bereich der Öffnung?

Ein gut vorbereitetes Vorabmaß verkürzt den Aufmaßtermin, reduziert Rückfragen und schafft eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Die Verantwortung für das endgültige Maß und die daraus abgeleitete Bestellung liegt beim Fachbetrieb, der das verantwortete Aufmaß durchführt. Ihr Beitrag besteht darin, die Ausgangslage so vollständig und nachvollziehbar wie möglich zu dokumentieren.

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